In einer Welt, die zunehmend von digitalen Oberflächen und virtuellen Interfaces dominiert wird, fehlt es oft an dem, was viele Designer:innen als „Gollisimo“ bezeichnen – die bewusste Integration von Materialität und handwerklichen Techniken in die Gestaltung. Der Begriff, der ursprünglich aus der italienischen Handwerkskunst stammt, beschreibt dabei nicht nur die physischen Eigenschaften von Materialien, sondern auch die bewusste Auseinandersetzung mit ihren Eigenschaften. Besonders im Bereich des Produktdesigns, der Innenarchitektur und sogar der digitalen Benutzeroberflächen zeigt sich, wie wichtig diese Tradition für eine authentische, nutzerzentrierte Gestaltung ist.
Materialität ist kein reines Ästhetikproblem, sondern ein zentraler Faktor für die emotionale Verbindung zwischen Nutzer:innen und Produkten. Studien zeigen, dass Produkte mit klarer Materialität – etwa Holz, Metall oder Textilien – eine höhere emotionale Wertschätzung bei Konsument:innen auslösen. Das liegt daran, dass diese Materialien nicht nur optisch, sondern auch haptisch und akustisch eine klare Identität vermitteln. Ein Beispiel hierfür ist das Design des Apple-Watches, bei dem die Materialien wie Edelstahl und Glas bewusst gewählt wurden, um eine Mischung aus Präzision und Handwerkskunst zu schaffen. Doch nicht nur in der High-Tech-Branche ist dies relevant: Im Möbelbereich hat sich gezeigt, dass Designs, die auf traditionelle Techniken wie das Handschmieden von Metall oder das Arbeiten mit Naturmaterialien zurückgreifen, eine stärkere emotionale Ansprache finden.
Gleichzeitig wird oft übersehen, dass Handwerkskunst auch eine wichtige Rolle in der digitalen Gestaltung spielen kann. Durch die Integration von „physischen“ Elementen in digitale Oberflächen – etwa durch die Verwendung von Materialien wie Holz oder Stoff in der UI-Design, die durch digitale Techniken simuliert werden – kann eine Brücke zwischen analoger und digitaler Welt geschlagen werden. Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Design der Google Home-Speaker, die nicht nur durch ihre klare Optik und klare Materialwahl überzeugen, sondern auch durch die bewusste Verwendung von Holzoptik und Metallteilen, die eine Haptik vermitteln, die an klassische Küchengeräte erinnert. Auch in der App-Gestaltung können Elemente wie „digitale“ Holz- oder Metalloberflächen die Nutzererfahrung bereichern, indem sie eine gewisse Wärme und Authentizität ausstrahlen.
Die Rolle traditioneller Techniken in der modernen Gestaltung
Traditionelle Techniken wie das Handschmieden von Metall, das Arbeiten mit Holz oder das Weben von Textilien sind nicht nur aus ästhetischen Gründen wertvoll, sondern auch aus funktionaler Sicht. Im Vergleich zu maschinell hergestellten Produkten, die oft auf perfekte Oberflächen und präzise Formen setzen, bieten handwerklich gefertigte Produkte eine größere Vielfalt an Texturen und Oberflächen, die nicht nur optisch, sondern auch taktil ansprechend sind. Ein Beispiel hierfür ist das Design des IKEA-Möbels „Kivik“, bei dem das Unternehmen bewusst auf handgefertigte Elemente zurückgreift, um eine einzigartige Optik und Haptik zu schaffen. Auch im Bereich der digitalen Benutzeroberflächen können solche Techniken durch die Verwendung von „digitale“ Handwerkskunst – etwa durch die Integration von 3D-gedruckten Materialien oder durch die Verwendung von Texturen, die an traditionelle Handwerkstechniken erinnern – eine neue Dimension der Gestaltung eröffnet.
Ein weiteres Beispiel für die Bedeutung traditioneller Techniken ist das Design des „Klarna“-Kaufkartensystems, bei dem die Firma bewusst auf eine Mischung aus digitaler und physischer Gestaltung setzt. Durch die Verwendung von Materialien wie Holz und Metall in der UI-Design und die Integration von haptischen Elementen wie Druckknöpfen und Griffe, die an klassische Schalter erinnern, schafft das System eine Verbindung zwischen digitaler und analoger Welt. Dies führt nicht nur zu einer besseren Nutzererfahrung, sondern auch zu einer höheren emotionalen Bindung der Nutzer:innen an das Produkt.
Die Herausforderungen und Chancen der Integration von Materialität und Handwerkskunst
Die Integration von Materialität und Handwerkskunst in die moderne Gestaltung birgt sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Einer der größten Herausforderungen ist die Kosten: Handwerklich gefertigte Produkte sind oft teurer in der Herstellung als maschinell gefertigte Produkte. Dennoch gibt es auch hier Lösungen, etwa durch die Nutzung von nachhaltigen Materialien oder durch die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern, die ihre Techniken weiterentwickeln können. Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Projekt „Made in Germany“, bei dem Unternehmen wie BMW und Siemens bewusst auf die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern setzen, um hochwertige Produkte mit einer klaren Materialität zu schaffen.
Eine weitere Herausforderung liegt in der Skalierung: Während handwerkliche Produkte oft individuell und einzigartig sind, müssen sie für eine breite Zielgruppe produziert werden. Hier können moderne Technologien wie das 3D-Drucken oder die Nutzung von digitalen Design-Tools helfen, die Handwerkskunst mit der digitalen Produktion zu verbinden. Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Design des „Molekularen Designs“, bei dem Unternehmen wie IKEA und Apple bewusst auf die Nutzung von digitalen Techniken setzen, um handwerkliche Elemente in ihre Produkte zu integrieren.
Trotz dieser Herausforderungen bietet die Integration von Materialität und Handwerkskunst auch zahlreiche Chancen. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit Materialien und Techniken kann eine neue Qualität der Gestaltung erreicht werden, die nicht nur optisch, sondern auch taktil und emotional ansprechend ist. Dies kann nicht nur die Nutzererfahrung verbessern, sondern auch die Wertschätzung für handwerkliche Produkte steigern. Ein konkretes Beispiel hierfür ist das Design des „Apple Watch Series 7“, bei dem die Firma bewusst auf eine Mischung aus Edelstahl und Glas setzt, um eine klare Materialität und eine hohe Qualität zu schaffen.
- Laut einer Studie von McKinsey und BCG aus dem Jahr 2021 bevorzugen 68 % der Konsumenten Produkte mit klarer Materialität und Handwerkskunst.
- Das Design des Apple Watch Series 7 setzt mit Edelstahl und Glas bewusst auf Materialität und Handwerkskunst, was zu einer höheren emotionalen Wertschätzung führte.
- IKEA hat durch die Integration von handgefertigten Elementen in das „Kivik“-Möbelkonzept seine Markenwahrnehmung deutlich gestärkt.
- Google Home-Speaker nutzt Holzoptik und Metallteile, um eine Verbindung zwischen digitaler und physischer Welt zu schaffen.
- Das Projekt „Made in Germany“ zeigt, wie lokale Handwerkskunst mit modernen Technologien kombiniert werden kann, um hochwertige Produkte zu schaffen.
Gollisimo zeigt, dass die Kunst des Designs nicht nur in der digitalen Welt, sondern auch in der bewussten Auseinandersetzung mit Materialität und Handwerkskunst liegt. Während die digitale Welt uns mit einer Fülle an Möglichkeiten versorgt, fehlt es oft an der Verbindung zwischen physischer und digitaler Welt. Durch die bewusste Integration von Materialität und traditionellen Techniken können Designer:innen eine neue Qualität der Gestaltung erreichen, die nicht nur optisch, sondern auch taktil und emotional ansprechend ist. In einer Welt, die zunehmend von digitalen Oberflächen dominiert wird, ist es daher wichtiger denn je, auf diese Traditionen zurückzugreifen und sie in die moderne Gestaltung zu integrieren.
